Vom Kopf zum Bild und zurück

17 meiner Studentinnen und Studenten stellen sich in dieser Ausstellung dem oben stehenden Thema. Als Dozent an der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin betreue ich nicht nur seit Jahren die Abschlussklassen, sondern leite zusätzlich ein Seminar.

In diesem Seminar liegt der Akzent woanders als beim freien Lehrprogramm. In ihm begegnen sich unterschiedliche, bereits genauer formulierte künstlerische Positionen, um Reflexionen über Möglichkeiten und Grenzen des Mediums zu befördern.

Es geht um die internen Verabredungen im Werk. Über diesem Dialog steht die Maxime, es gelte stets, die bestmögliche künstlerische Einlösung des jeweils individuell erhobenen Anspruches herauszufinden.

Die klassische Moderne gilt als abgelöst von einer in alle Richtungen offenen und oft auch richtungslosen Kunstproduktion, deren Kriterien und Werte sich gleich mit aufgelöst zu haben scheinen.

Alles ist möglich, Kunst und Design gehen ineinander über. Lückenlos herrscht zudem der Kunstmarkt über die öffentliche Wahrnehmung der Kunstproduktion, ohne seine Kriterien offenzulegen.

Vieles funktioniert, wie im Marketing überhaupt, allein über die Behauptung eines Rangs. Deshalb sind exklusive Kulissen und prominente Staffage so wichtig geworden.

Aber Kunst meint eben auch, das man weiß was man tut, und das man gewollt hat, was dabei herauskommt.

Warum machen wir überhaupt ständig Bilder? Es gibt doch genug. Sie sind allgegenwärtig, um uns herum, in unseren Handys, auf unseren Tablets, manchmal noch in Alben geklebt. Auf der Straße, in Galerien, in sozialen Netzwerken, in allen Medien. Und in unseren Köpfen. Ganz besonders in unseren Köpfen.

Da lagern sie, sollen erinnert werden oder wollen heraus. Jetzt sofort, oder doch erst morgen, vielleicht ist dann das Licht schöner, die Wiesen grüner, der Himmel weiter und ganz bestimmt nehme ich mir die Zeit dafür.
Jetzt ist morgen und alles so, wie ich erhofft hatte. Es kann endlich losgehen. Wo aber finde ich das, was gestern noch so stark in meinem Kopf pulsierte? Wo ist es, dieses Bild?

Ohne eine wirkliche Idee, einen Plan, ein Wissen über das Verhältnis der Formen und Farben zueinander, ohne eine ästhetische Vorstellung und ohne inhaltliche Klarheit werde ich es wohl nicht finden. Manchmal kommt der Zufall zu Hilfe. Schnell genug habe ich reagiert und mit der Kamera im richtigen Moment den richtigen Ausschnitt aus der Wirklichkeit geschnitten. Aber war das dann wirklich Zufall? Oder hatte ich mich ganz bewusst zu dieser Zeit an genau jenen Ort bewegt in Erwartung des äußeren Impulses?

Wie macht man Bilder und wann ist ein Bild gut? Ist Schönheit gut oder liegt die Wahrheit im Unperfekten? In welchem Moment steigert sich eine Situation zu ihrem Höhepunkt oder war der Moment davor, als der Ausgang noch offen schien, geeigneter? Soll ich Spannung aufbauen, Geheimnisse erzeugen oder den Moment der Spannungsentladung abwarten?

Die Ausstellung wird von mir kuratiert und betreut.

 

Ludwig Rauch
Fotograf und Dozent an der Ostkreuzschule für Fotografie
http://www.ludwig-rauch.com